
Akademische Grade und Titel teilen sich in Deutschland in drei große Gruppen: Hochschulgrade aus einem abgeschlossenen Studium (Bachelor, Master, früher auch Diplom und Magister sowie das Staatsexamen), den Doktorgrad aus der Promotion (Dr., je nach Fach etwa Dr. rer. nat. oder Dr. phil.) und die Lehrbefugnis aus der Habilitation, die zur Bezeichnung Privatdozent und zur Professur führt. Den bundesweiten Rahmen dafür setzt das Hochschulrahmengesetz (HRG), das die Länder durch eigene Hochschulgesetze ausgestalten. Eine Sonderstellung hat der Ehrendoktor (Dr. h.c.), der nicht durch Studium, sondern als Auszeichnung verliehen wird.
Dieser Überblick bringt alle wichtigen deutschen Grade und Titel an einem Ort zusammen: was sie bedeuten, wie man sie erwirbt, wo sie stehen (vor oder nach dem Namen) und in welcher Reihenfolge man sie nennt, wenn jemand mehrere führt.
Drei Arten, die häufig verwechselt werden
Bevor wir zu den einzelnen Kürzeln kommen, lohnt sich die grundlegende Unterscheidung. Im Alltag verschmelzen mehrere unterschiedliche Dinge zu dem einen Wort „Titel":
- Ein akademischer Grad ist der Nachweis über ein abgeschlossenes Studium. Dazu gehören Bachelor, Master, das frühere Diplom und der Magister.
- Der Doktorgrad wird durch die Promotion erworben, also durch eine eigenständige wissenschaftliche Arbeit. Streng genommen ist auch der Doktor ein akademischer Grad, kein Titel im engeren Sinne.
- Die Lehrbefugnis aus der Habilitation führt zur Bezeichnung Privatdozent und ist Voraussetzung für viele Professuren. Die Professur selbst ist eine Stellung an der Hochschule.
Dazu kommt der Ehrendoktor (Dr. h.c.), den wir weiter unten behandeln. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sie bestimmt, wo ein Grad steht und in welcher Reihenfolge er genannt wird.
Akademische Grade aus dem Studium
Das Studium in Deutschland ist heute überwiegend zweistufig aufgebaut: Bachelor und Master. Welche Hochschulgrade eine Hochschule beim Abschluss eines Studiums verleihen darf, regelt § 18 des Hochschulrahmengesetzes. Daneben gibt es ältere Abschlüsse sowie das Staatsexamen für bestimmte Berufe. Nach dem Studium führt man in der Regel diese Grade:
| Grad | Voller Name | Wo er vergeben wird | Geschrieben |
|---|---|---|---|
| B.A./B.Sc./B.Eng. | Bachelor | erster berufsqualifizierender Abschluss | nach dem Namen |
| M.A./M.Sc./M.Eng. | Master | aufbauender zweiter Abschluss | nach dem Namen |
| Dipl. | Diplom | älterer Abschluss, häufig in Technik und Naturwissenschaften | vor dem Namen |
| M.A. (Magister) | Magister Artium | älterer Abschluss in den Geisteswissenschaften | nach dem Namen |
| Staatsexamen | erstes Staatsexamen | Medizin, Jura, Lehramt, Pharmazie | kein nachgestelltes Kürzel |
Der Bachelor ist der erste berufsqualifizierende Abschluss und dauert in der Regel drei bis vier Jahre. Der Master baut darauf auf und dauert meist ein bis zwei Jahre. Beide Grade werden in der üblichen Schreibweise dem Namen nachgestellt, zum Beispiel Anna Müller, M.Sc.
Das ältere Diplom und der Magister werden zunehmend von Bachelor und Master abgelöst, sind aber weiterhin gültig. Das Diplom wurde traditionell dem Namen vorangestellt (Dipl.-Ing.), der Magister meist nachgestellt.
Eine Besonderheit ist das Staatsexamen. In Medizin, Jura, im Lehramt und in der Pharmazie schließt man das Studium nicht mit Bachelor oder Master ab, sondern mit einer staatlichen Prüfung. Das Staatsexamen ist ein berufsqualifizierender Abschluss, führt aber nicht automatisch zu einem nachgestellten Kürzel.
Wenn dich interessiert, wie sich die verschiedenen Arten von Arbeiten unterscheiden, die zu diesen Graden führen, lies unseren Beitrag über die Arten von Abschlussarbeiten von Bachelor bis Master.
Der Doktorgrad aus der Promotion
Der Doktorgrad ist der höchste akademische Grad, den man durch ein Studium im weiteren Sinne erwerben kann. Er wird durch die Promotion erlangt, also durch eine eigenständige wissenschaftliche Arbeit (die Dissertation) und deren mündliche Verteidigung. Der Doktorgrad wird dem Namen vorangestellt und mit „Dr." abgekürzt.
Voraussetzung ist in der Regel ein abgeschlossenes Master-, Diplom- oder Staatsexamensstudium. Die Promotion ist kein verschultes Studium mit Vorlesungen, sondern eine mehrjährige Forschungsleistung unter Betreuung. Die genaue Bezeichnung hängt vom Fachgebiet ab:
| Grad | Voller Name | Fachgebiet |
|---|---|---|
| Dr. phil. | doctor philosophiae | Geistes- und Sozialwissenschaften |
| Dr. rer. nat. | doctor rerum naturalium | Naturwissenschaften |
| Dr. iur. | doctor iuris | Rechtswissenschaften |
| Dr. med. | doctor medicinae | Medizin |
| Dr. rer. pol. | doctor rerum politicarum | Wirtschafts- und Sozialwissenschaften |
| Dr.-Ing. | Doktor der Ingenieurwissenschaften | Ingenieurwissenschaften |
Im akademischen Sprachgebrauch wird oft die volle Form mit dem Fachzusatz verwendet (etwa Dr. rer. nat.), im Alltag genügt meist das kurze „Dr." vor dem Namen. Wichtig ist: Der Doktorgrad steht für eine eigenständige Forschungsleistung und ist nicht mit einer reinen Abschlussprüfung zu verwechseln.
Habilitation, Privatdozent und Professur
Nach der Promotion gibt es eine weitere Stufe, die in Deutschland eine zentrale Rolle spielt: die Habilitation. Sie ist keine weitere Prüfung im engeren Sinne, sondern der Nachweis der Fähigkeit, ein Fach in voller Breite eigenständig in Forschung und Lehre zu vertreten.
- Mit der erfolgreichen Habilitation erhält man die Lehrbefugnis (venia legendi) und darf die Bezeichnung Privatdozent (PD) führen. PD wird vor dem Namen und vor dem Doktorgrad geschrieben.
- Die Professur (Prof.) ist die höchste Stellung im Wissenschaftssystem. Professorinnen und Professoren werden auf eine Stelle berufen, häufig nach Habilitation oder gleichwertiger Leistung. „Prof." steht ganz vorne vor dem Namen.
Dabei ist zwischen Bezeichnung und Stellung zu unterscheiden. Privatdozent und Professor beschreiben in erster Linie eine wissenschaftliche Position und Lehrbefugnis. Ein Gastprofessor oder eine Vertretungsprofessur ist dagegen eine zeitlich begrenzte Funktion an einer bestimmten Einrichtung und kein dauerhaft erworbener Titel.
Der Ehrendoktor (Dr. h.c.)
Der Ehrendoktor ist ein Sonderfall. Er wird mit „Dr. h.c." abgekürzt (von honoris causa, „ehrenhalber") und nicht durch ein Studium oder eine Prüfung erworben, sondern von einer Hochschule als Auszeichnung für besondere Verdienste verliehen.
Der Ehrendoktor ist ein echter, von einer Universität vergebener Grad, gilt aber konventionell nicht als Nachweis eigener wissenschaftlicher Forschung in dem Fach. Deshalb wird der Zusatz „h.c." mitgeführt, um ihn klar von einem promovierten Doktorgrad zu unterscheiden.
Grad, Lehrbefugnis und Stellung: worin der Unterschied liegt
Diese Begriffe werden im Alltag vermischt, bedeuten aber Verschiedenes:
| Begriff | Beispiele | Wie man ihn erwirbt | Wo er steht |
|---|---|---|---|
| Akademischer Grad aus Studium | B.Sc., M.A., Diplom | durch ein abgeschlossenes Studium | meist nach dem Namen |
| Doktorgrad | Dr., Dr. rer. nat., Dr.-Ing. | durch die Promotion | vor dem Namen |
| Lehrbefugnis | PD (Privatdozent) | durch die Habilitation | vor dem Namen |
| Stellung | Professor, Gastprofessor | durch Berufung an eine Hochschule | „Prof." vor dem Namen |
Als einfache Merkhilfe gilt: Bachelor und Master stehen meist nach dem Namen, der Doktorgrad und die Bezeichnung Privatdozent stehen vor dem Namen, und „Prof." steht ganz vorne.
Reihenfolge und Schreibweise mehrerer Titel
Führt eine Person mehrere Grade und Bezeichnungen, ist die Reihenfolge nicht beliebig. Vor dem Namen stehen zuerst die Stellung und die Lehrbefugnis (Prof., PD) und danach der Doktorgrad. Hochschulgrade aus dem Studium wie Bachelor und Master werden in der Regel dem Namen nachgestellt.
Praktische Regeln:
- Vor dem Namen steht die Reihenfolge: Prof., dann PD oder Dr., zum Beispiel Prof. Dr.
- Nach dem Namen stehen die nachgestellten Studienabschlüsse wie M.Sc. oder B.A., durch Komma getrennt.
- Mehrere Grade vor dem Namen werden nur durch Leerzeichen, nicht durch Komma getrennt.
- Üblicherweise nennt man nicht jeden niedrigeren Abschluss zusätzlich, wenn ein höherer ihn ohnehin voraussetzt. Die genauen Gepflogenheiten unterscheiden sich je nach Hochschule und Anlass.
Einige Schreibweisen zur Veranschaulichung:
| Situation | Schreibweise |
|---|---|
| Master-Absolventin | Anna Müller, M.Sc. |
| Nach der Promotion | Dr. Anna Müller |
| Promotion mit Fachzusatz | Dr. rer. nat. Anna Müller |
| Privatdozentin mit Doktorgrad | PD Dr. Anna Müller |
| Professorin mit Doktorgrad | Prof. Dr. Anna Müller |
| Mit Ehrendoktor | Prof. Dr. Dr. h.c. Anna Müller |
Wenn du den Aufbau deiner eigenen Arbeit klären möchtest, bevor du dich an irgendeine Studienstufe wagst, hilft dir unser Überblick zum Aufbau einer Abschlussarbeit.
Kurzüberblick: welcher Grad wohin gehört
Für eine schnelle Orientierung fassen wir das gesamte System in einer Tabelle zusammen:
| Gruppe | Grade und Bezeichnungen | Position |
|---|---|---|
| Erststudium | B.A., B.Sc., B.Eng. | nach dem Namen |
| Zweitstudium | M.A., M.Sc., M.Eng. | nach dem Namen |
| Ältere Abschlüsse | Diplom (Dipl.), Magister | Diplom vor, Magister nach dem Namen |
| Promotion | Dr., Dr. phil., Dr. rer. nat., Dr.-Ing. | vor dem Namen |
| Habilitation | PD (Privatdozent) | vor dem Namen |
| Professur | Prof. | ganz vorne vor dem Namen |
| Ehrung | Dr. h.c. (Ehrendoktor) | vor dem Namen, mit Zusatz h.c. |
Häufig gestellte Fragen
Ist Dr. dasselbe wie ein Arzt?
Nicht unbedingt. Der Doktorgrad Dr. wird durch eine Promotion erworben, also durch eine eigenständige wissenschaftliche Arbeit, und gibt es in vielen Fächern, etwa Dr. phil. oder Dr. rer. nat. Wer Medizin studiert, schließt zunächst mit dem Staatsexamen ab und darf als Arzt arbeiten. Den Titel Dr. med. trägt nur, wer zusätzlich eine medizinische Promotion abgeschlossen hat. Arzt und promovierter Doktor sind also nicht automatisch dasselbe.
Was ist der Unterschied zwischen Bachelor und Master?
Der Bachelor ist der erste berufsqualifizierende Abschluss und dauert in der Regel drei bis vier Jahre. Der Master baut darauf auf, vertieft das Fach und dauert meist ein bis zwei Jahre. Beide werden dem Namen nachgestellt, zum Beispiel als B.Sc. oder M.Sc. Erst der Master eröffnet in der Regel den Weg zur Promotion.
Wofür steht die Habilitation?
Die Habilitation ist die formale Feststellung, dass jemand ein Fach in voller Breite eigenständig in Forschung und Lehre vertreten kann. Mit ihr erwirbt man die Lehrbefugnis und darf die Bezeichnung Privatdozent (PD) führen. Sie ist in vielen Fächern eine wichtige Voraussetzung für eine Professur, auch wenn es heute zusätzliche Wege wie die Juniorprofessur gibt.
Macht ein Ehrendoktor zum „echten" Doktor?
Der Ehrendoktor (Dr. h.c.) ist ein echter, von einer Hochschule verliehener Grad, wird aber als Auszeichnung für Verdienste vergeben und nicht durch Studium oder Prüfung erworben. Konventionell gilt er nicht als Nachweis eigener Forschung im Fach. Deshalb wird der Zusatz h.c. geführt, um ihn vom promovierten Doktorgrad zu unterscheiden.
Wie schreibt man mehrere Titel richtig hintereinander?
Vor dem Namen stehen zuerst die Stellung und die Lehrbefugnis (Prof., PD) und danach der Doktorgrad, zum Beispiel Prof. Dr. Nachgestellte Studienabschlüsse wie M.Sc. werden durch Komma vom Namen getrennt. Eine vollständige Schreibweise kann so aussehen: Prof. Dr. Anna Müller. Die genauen Gepflogenheiten richten sich nach Hochschule und Anlass.
Ist Professor ein Titel oder eine Stellung?
In erster Linie beschreibt Professor eine Stellung an einer Hochschule, auf die man berufen wird. Im Sprachgebrauch wird „Prof." aber auch dauerhaft als Anrede und Bezeichnung verwendet. Eine Gastprofessur oder Vertretungsprofessur ist dagegen eine zeitlich begrenzte Funktion und kein dauerhaft erworbener Titel.
Das deutsche System der akademischen Grade und Titel wirkt auf den ersten Blick verschachtelt, folgt aber einer klaren Logik: Bachelor und Master stehen meist nach dem Namen, der Doktorgrad und die Bezeichnung Privatdozent stehen vor dem Namen, und „Prof." steht ganz vorne. Wenn du dieses Gerüst verstanden hast, kannst du jedes Kürzel einordnen und richtig schreiben.
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