
Das Gutachten des Betreuers und das Zweitgutachten sind zwei unabhängige schriftliche Bewertungen deiner Abschlussarbeit. Sie entstehen nach der Abgabe und bilden die Grundlage der Verteidigung. Das Gutachten des Betreuers schreibt deine Betreuerin oder dein Betreuer und bewertet vor allem den Verlauf der Zusammenarbeit, deine Selbstständigkeit und die Erfüllung der Aufgabenstellung. Das Zweitgutachten schreibt der Zweitgutachter, in der Regel eine andere Fachperson, und beurteilt kritisch Inhalt, Methoden, Ergebnisse und die formale Seite. Beide Gutachten enthalten eine schriftliche Bewertung, einen Notenvorschlag und Fragen, die du in der Verteidigung beantworten sollst. Die Gutachten bekommst du in der Regel einige Tage vor der Verteidigung, sodass du Zeit hast, dir konkrete Antworten vorzubereiten.
Was das Gutachten des Betreuers ist
Das Gutachten des Betreuers ist die Bewertung, die von der Person stammt, die deine Arbeit betreut hat. An manchen Hochschulen heißt es auch Erstgutachten, gemeint ist aber dasselbe, nur verwenden verschiedene Einrichtungen unterschiedliche Bezeichnungen. Dein Betreuer hat dich durch den gesamten Prozess begleitet und bewertet daher nicht nur den fertigen Text, sondern auch den Weg dorthin.
Im Gutachten äußert sich der Betreuer vor allem dazu, wie die Zusammenarbeit verlaufen ist. Es interessiert ihn, ob du selbstständig gearbeitet hast, ob du auf seine Anmerkungen reagiert hast, wie du Fristen eingehalten hast und in welchem Maß du die Aufgabenstellung erfüllt hast. Weil er dich kennt, fällt sein Gutachten persönlicher und oft auch milder aus als das Zweitgutachten. Das bedeutet aber nicht, dass es nur eine Formsache ist. Auch der Betreuer kann die Arbeit kritisieren und Fragen stellen.
Was das Zweitgutachten ist
Das Zweitgutachten ist eine unabhängige kritische Beurteilung deiner Arbeit durch einen Zweitgutachter, der sie zum ersten Mal als fertiges Ganzes sieht. Der Zweitgutachter ist in der Regel nicht derjenige, der dich betreut hat. Es handelt sich um eine weitere Fachperson aus dem Fach, die die Arbeit mit Abstand und ohne Kenntnis der Hintergründe beurteilt.
Genau deshalb fällt das Zweitgutachten kritischer aus. Aufgabe des Zweitgutachters ist es, Schwachstellen zu finden, Aussagen infrage zu stellen, die nicht ausreichend belegt sind, und zu prüfen, ob die Arbeit auch einer Außenperspektive standhält. Fast immer enthält es konkrete Diskussionsfragen, die du in der Verteidigung beantworten sollst. Das ist kein Angriff auf dich, sondern ein üblicher Teil des Verfahrens. Ein kritisches Zweitgutachten bedeutet nicht, dass du durchgefallen bist oder die Arbeit nicht verteidigst.
Wer die Gutachten schreibt und wann der Studierende sie erhält
Die Gutachten schreiben zwei verschiedene Personen, und der Studierende erhält sie in der Regel gemeinsam, kurz vor der Verteidigung. Ohne beide Gutachten wirst du zur Verteidigung meist gar nicht zugelassen.
- Das Gutachten des Betreuers schreibt der Betreuer, der dir zugewiesen wurde oder den du zu Beginn ausgewählt hast.
- Das Zweitgutachten schreibt ein Zweitgutachter, der vom Institut oder von dessen Leitung bestimmt wird, in der Regel ohne deinen Einfluss.
- Wann du sie erhältst: Die Gutachten sind meist einige Tage vor der Verteidigung verfügbar, oft über das Informationssystem der Fakultät. Der genaue Zeitpunkt der Veröffentlichung unterscheidet sich je nach Einrichtung.
Genau dieser zeitliche Abstand ist wichtig. Auch wenn es nur Tage sind, reichen sie aus, um die Gutachten gründlich durchzuarbeiten und dich vorzubereiten. Wer die Gutachten erst am Morgen der Verteidigung öffnet, verschenkt die leichtesten Punkte, die er bekommen kann.
Was ein Gutachten enthält
Auch wenn sich das Gutachten des Betreuers und das Zweitgutachten in der Gewichtung unterscheiden, ist ihr Aufbau meist ähnlich. Die meisten Fakultäten verwenden ein Formular mit denselben Bewertungsbereichen. Ein Gutachten enthält in der Regel diese Teile:
- Bewertung der Zielsetzung. Ob das Ziel klar formuliert war und in welchem Maß es erreicht wurde. Das ist einer der wichtigsten Bereiche, denn ein nicht erreichtes Ziel ist ein ernstes Problem.
- Bewertung von Struktur und logischem Aufbau. Ob die Arbeit übersichtlich gegliedert ist, ob die Kapitel aufeinander aufbauen und ob sie den Gepflogenheiten des Fachs entspricht.
- Bewertung der Methoden. Ob die gewählten Methoden geeignet, richtig eingesetzt und ausreichend beschrieben waren. Hier fragt der Zweitgutachter am häufigsten nach.
- Bewertung des eigenen Beitrags. Was die Arbeit Neues gebracht hat und wie klar Übernommenes von Eigenem getrennt ist. Bei einer Masterarbeit wird ein deutlicherer Beitrag erwartet als bei einer Bachelorarbeit.
- Bewertung der formalen Seite. Gestaltung, Sprache, Grammatik, Richtigkeit der Zitation, Qualität von Grafiken und Tabellen, Einhaltung der Zitierweise.
- Notenvorschlag. Der Gutachter schlägt eine Note vor, die endgültige Bewertung der Verteidigung legt jedoch die Kommission fest, nicht das Gutachten selbst.
- Diskussionsfragen. Eine oder mehrere konkrete Fragen, die du in der Verteidigung beantworten sollst. Hier lohnt es sich, besonders aufmerksam zu sein.
Der Notenvorschlag im Gutachten ist orientierend. Die Verteidigung selbst und das Gesamtergebnis legt die Prüfungskommission in einer nicht öffentlichen Beratung fest, in der sie auch deinen Vortrag und deine Antworten berücksichtigt. Wie die gesamte Verteidigung Schritt für Schritt abläuft, haben wir im Artikel über die Vorbereitung und den Ablauf der Verteidigung der Abschlussarbeit ausführlich beschrieben.
Worin sich die beiden Gutachten unterscheiden
Der Hauptunterschied liegt im Blickwinkel. Der Betreuer bewertet den Prozess und kennt die Hintergründe, der Zweitgutachter bewertet das Ergebnis mit Abstand. Daraus ergeben sich auch Unterschiede in Ton und Inhalt.
| Aspekt | Gutachten des Betreuers | Zweitgutachten |
|---|---|---|
| Wer es schreibt | der Betreuer | ein Zweitgutachter, in der Regel eine andere Fachperson |
| Kennt die Hintergründe | ja, hat dich durch den Prozess begleitet | nein, sieht die Arbeit als fertiges Ganzes |
| Worauf es sich konzentriert | Verlauf der Zusammenarbeit, Selbstständigkeit, Erfüllung der Aufgabe | kritische Analyse von Inhalt, Methoden, Ergebnissen, Form |
| Ton | in der Regel persönlicher, oft milder | in der Regel kritischer und sachlicher |
| Diskussionsfragen | manchmal | fast immer |
Die Tabelle ist eine Verallgemeinerung. In der Praxis triffst du auch auf einen strengen Betreuer und einen entgegenkommenden Zweitgutachter. Nimm den Unterschied nicht als Garantie, sondern als Orientierung, was du von welchem Gutachten erwarten kannst.
Wie du die Fragen und Anmerkungen liest und verstehst
Lies die Gutachten nicht nur einmal und flüchtig. Geh sie Satz für Satz durch und trenne zwei Arten von Inhalt voneinander: Fragen, die du beantworten musst, und Anmerkungen, die einen Mangel beschreiben, ohne eine direkte Frage zu stellen.
Die Diskussionsfragen sind eindeutig. Schreib sie dir gesondert heraus und bereite zu jeder eine Antwort vor. Anmerkungen sind tückischer, denn sie enden nicht immer mit einem Fragezeichen, die Kommission kann aber trotzdem danach fragen. Wenn der Zweitgutachter schreibt, dass „die Stichprobe für eine Verallgemeinerung zu klein ist", klingt das nicht wie eine Frage, in Wirklichkeit fordert es dich jedoch auf, dein Vorgehen zu rechtfertigen.
Stelle dir beim Lesen zu jedem Einwand drei Fragen:
- Hat der Zweitgutachter recht? Sei ehrlich zu dir selbst. Ein Teil der Einwände ist berechtigt.
- Wie ist dieser Einwand entstanden? War es eine bewusste Entscheidung, ein Kompromiss aus Zeitgründen oder ein echter Fehler?
- Was würde ich darauf laut sagen? Formuliere eine Antwort in zwei bis drei Sätzen, nicht in einem Absatz.
Wenn du eine Formulierung nicht verstehst, geh nicht stillschweigend darüber hinweg. Es ist besser, vorher zu überlegen, was der Gutachter gemeint hat, als sich in der Verteidigung überraschen zu lassen.
Wie du dir Antworten auf die Fragen aus den Gutachten für die Verteidigung vorbereitest
Die Fragen aus den Gutachten sind die einzigen Fragen, die du im Voraus kennst. Das ist ein großer Vorteil, den es sich lohnt, voll auszuschöpfen. Bereite zu jeder Frage eine kurze, konkrete und sachliche Antwort vor.
Halte dich bei der Vorbereitung deiner Antworten an einige Grundsätze:
- Antworte direkt auf die Frage. Sag zuerst die Antwort, erst dann ergänze sie. Die Kommission will keine dreiminütige Einleitung hören, bis du zum Kern kommst.
- Belege die Antwort. Beziehe dich auf einen konkreten Teil der Arbeit, auf Daten oder auf eine Quelle. So zeigst du, dass du über deine eigene Arbeit sprichst, nicht allgemein.
- Sei knapp. Zwei bis drei Sätze pro Frage reichen in der Regel. Ein langer Monolog wirkt unsicher und kostet Zeit.
- Räume Grenzen ein. Wenn eine Frage eine Einschränkung betrifft, die die Arbeit tatsächlich hat, benenne sie offen. Ein ehrliches Eingeständnis einer Grenze wirkt reif.
Lerne deine Antworten nicht Wort für Wort auswendig. Es reicht, den Kern jeder Antwort so gut zu kennen, dass du ihn auch unter Druck mit eigenen Worten sagen kannst. Die Fragen und Antworten auf Papier oder in Notizen herauszuschreiben, ist eine bewährte Art, sie zu ordnen.
Was du bei einem kritischen Gutachten tun solltest
Ein kritisches Gutachten ist unangenehm, aber kein Grund zur Panik. Der Zweitgutachter soll kritisieren, das ist seine Aufgabe. Entscheidend ist nicht, ob Kritik fällt, sondern wie du vor der Kommission darauf reagierst.
Lies das Gutachten zuerst mit Abstand. Direkt nach dem ersten Lesen wirkt ein strenges Gutachten schlimmer, als es in Wirklichkeit ist. Lass es ein paar Stunden ruhen und komm mit kühlem Kopf darauf zurück. Sortiere die Einwände dann in drei Gruppen:
- Ein berechtigter Einwand, den du nicht abstreiten kannst. Gib ihn zu. Erkläre, wie er entstanden ist, und sag, wie du es heute machen würdest. Eine reife Reaktion auf einen Fehler macht einen besseren Eindruck als das Abstreiten.
- Ein Einwand, bei dem du bewusst anders vorgegangen bist. Erkläre sachlich, warum du dieses Vorgehen gewählt hast und welche Alternativen du erwogen hast. Die Kommission schätzt eine durchdachte Entscheidung, auch wenn der Zweitgutachter ihr nicht zustimmt.
- Ein Missverständnis oder ein Versehen. Stelle höflich richtig, wo die betreffende Information in der Arbeit steht oder wie sie gemeint war.
Verteidige niemals einen offensichtlichen Fehler gegen die Fakten und lass dich nicht auf einen persönlichen Streit mit dem Zweitgutachter ein. Ziel ist nicht, einen Streit zu gewinnen, sondern zu zeigen, dass du das Thema verstehst und kritisch über deine eigene Arbeit nachdenken kannst. Genau das bewertet die Kommission. Mehr dazu, wie du in der Verteidigung unnötige Patzer vermeidest, findest du unter den häufigen Fehlern in der Abschlussarbeit.
Häufige Fehler beim Umgang mit Gutachten
Ein großer Teil der unnötigen Verluste in der Verteidigung entsteht schon vorher, beim Umgang mit den Gutachten. Vermeide diese Fehler:
- Du öffnest die Gutachten zu spät. Wer sie erst kurz vor der Verteidigung liest, hat keine Zeit, Antworten vorzubereiten. Lies die Gutachten sofort, sobald sie verfügbar sind.
- Du übersiehst die Diskussionsfragen. Die Fragen aus den Gutachten sind ein verpflichtender Teil der Verteidigung. Unvorbereitet dazu zu erscheinen, ist ein Punkteverlust, der sich leicht vermeiden lässt.
- Du nimmst die Kritik persönlich. Das Zweitgutachten soll kritisch sein. Eine emotionale Reaktion verschlimmert die Lage nur.
- Du verteidigst das Unhaltbare. Auf dem eigenen Standpunkt gegen eine klare Tatsache zu beharren, wirkt schlechter als ein ehrliches Eingeständnis eines Fehlers.
- Du bereitest nur den Vortrag vor. Deine Reaktion auf die Gutachten und deine Antworten auf die Fragen sind genauso wichtig wie die Folien, manchmal sogar wichtiger.
- Du lernst die Antworten auswendig. Eine auswendig gelernte Antwort fällt auseinander, wenn die Frage anders formuliert wird. Besser ist es, den Kern zu kennen und ihn mit eigenen Worten zu sagen.
Wenn du noch an der Arbeit selbst sitzt und sichergehen willst, dass sie gut zu verteidigen ist und die Gutachten sie nicht überraschen, sieh dir unsere Leistungen rund um die Masterarbeit an oder schreib uns über den Kontakt. Mit einer gut vorbereiteten Arbeit klingen auch die Gutachten milder.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Unterschied zwischen dem Gutachten des Betreuers und dem Zweitgutachten?
Das Gutachten des Betreuers schreibt der Betreuer der Arbeit und bewertet vor allem den Verlauf der Zusammenarbeit, die Selbstständigkeit und die Erfüllung der Aufgabenstellung. Das Zweitgutachten schreibt ein unabhängiger Zweitgutachter und beurteilt kritisch Inhalt, Methoden, Ergebnisse und die formale Seite. Das Zweitgutachten fällt meist kritischer aus und enthält fast immer Diskussionsfragen.
Wann bekomme ich die Gutachten vor der Verteidigung?
Die Gutachten sind in der Regel einige Tage vor der Verteidigung verfügbar, oft über das Informationssystem der Fakultät. Der genaue Zeitpunkt der Veröffentlichung unterscheidet sich je nach Einrichtung, prüfe daher die Fristen in deiner Prüfungsordnung und behalte das System im Blick, damit dich die Veröffentlichung nicht überrascht.
Muss ich auf jede Anmerkung im Gutachten reagieren?
Auf die Fragen, die das Gutachten ausdrücklich stellt, solltest du reagieren, weil sie ein direkter Teil der Verteidigung sind. Bei allgemeinen Einwänden reicht es, dein Vorgehen sachlich zu erklären oder eine Einschränkung offen einzuräumen und zu begründen. Du musst nicht jeden Satz abarbeiten, die Diskussionsfragen solltest du aber nicht unterschätzen.
Was bedeutet es, wenn das Zweitgutachten sehr kritisch ist?
Ein kritisches Zweitgutachten ist üblich und bedeutet nicht, dass du die Arbeit nicht verteidigst. Aufgabe des Zweitgutachters ist es, Schwachstellen zu finden. Wichtig ist, wie du auf die Einwände reagierst. Eine ruhige, sachliche und ehrliche Reaktion macht auf die Kommission einen besseren Eindruck als das Abstreiten offensichtlicher Fehler.
Wer schlägt die Note im Gutachten vor?
Die Note im Gutachten schlägt sein Verfasser vor, also der Betreuer oder der Zweitgutachter. Dieser Vorschlag ist jedoch nur orientierend. Die endgültige Bewertung der Verteidigung legt die Prüfungskommission in einer nicht öffentlichen Beratung fest, in der sie die Qualität der Arbeit, beide Gutachten, deinen Vortrag und deine Antworten auf die Fragen berücksichtigt.
Schreibt der Zweitgutachter immer auch Fragen?
Das Zweitgutachten enthält fast immer mindestens eine Diskussionsfrage, die du in der Verteidigung beantworten sollst. Das Gutachten des Betreuers enthält manchmal Fragen. Geh deshalb beide Gutachten Satz für Satz durch und schreib dir jede Frage gesondert heraus, damit dir keine entgeht.
