
ISO 690 ist die internationale Norm für bibliografische Referenzen und Zitierweisen, herausgegeben von der International Organization for Standardization. Wenn Ihre Hochschule diese Norm für Ihre Abschlussarbeit vorschreibt, erfahren Sie hier, wie beide Zitiersysteme funktionieren, wie korrekte Einträge für die häufigsten Quellentypen aussehen und welche Fehler am meisten verbreitet sind.
Was ist ISO 690 und wo wird sie eingesetzt
ISO 690 legt fest, wie bibliografische Angaben in wissenschaftlichen und fachlichen Dokumenten aufgebaut sein müssen. Im deutschsprachigen Raum sind daneben Zitierstile wie APA, Chicago oder der Leitfaden der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) weit verbreitet. ISO 690 wird häufig in interdisziplinären, internationalen oder europäisch geförderten Projekten gefordert sowie an Hochschulen, die einen einheitlichen Standard bevorzugen.
Bevor Sie mit dem Schreiben beginnen, prüfen Sie die Prüfungsordnung oder den Leitfaden Ihres Fachbereichs. Manche Hochschulen erlauben nur einen bestimmten Zitierstil oder schreiben vor, wie optionale Elemente der Norm umzusetzen sind.
Kurzbeleg im Text vs. Eintrag im Literaturverzeichnis
Beim Zitieren unterscheidet man zwei Elemente:
- Kurzbeleg im Text (In-Text-Zitat): ein kurzer Verweis direkt im Fliesstext, der den Leser auf eine bestimmte Quelle hinweist.
- Eintrag im Literaturverzeichnis: die vollständige bibliografische Beschreibung der Quelle am Ende der Arbeit.
Beide Elemente müssen aufeinander abgestimmt sein: Jeder Kurzbeleg im Text muss einen entsprechenden Eintrag im Literaturverzeichnis haben und umgekehrt.
Zwei Systeme nach ISO 690
Die Norm bietet zwei gleichwertige Zitiersysteme. Welches Sie verwenden, hängt von den Vorgaben Ihrer Hochschule oder Ihres Betreuers ab.
1. Nummern-System
Im Text setzen Sie eine Zahl in eckigen Klammern: [1] oder [1, S. 45]. Die Einträge im Literaturverzeichnis werden in der Reihenfolge nummeriert, in der sie im Text erstmals erscheinen.
Vorteil: Der Fliesstext wird nicht durch Namen und Jahreszahlen unterbrochen und liest sich flüssiger.
2. Autor-Jahr-System (Harvard-Stil)
Im Text nennen Sie den Nachnamen des Autors und das Jahr in Klammern: (Novak, 2021) oder (Novak, 2021, S. 45). Die Einträge im Literaturverzeichnis sind alphabetisch nach dem Nachnamen des ersten Autors sortiert.
Vorteil: Der Leser erkennt sofort, wessen Werk und aus welchem Jahr die Information stammt, ohne ans Ende der Arbeit blättern zu müssen.
Beide Systeme sind nach ISO 690 gleichwertig. Verwenden Sie in einer Arbeit konsequent nur eines davon.
Beispiele für bibliografische Einträge
Buch (Monografie)
Autor-Jahr: NOVAK, Marek und Jana HORAKOVA, 2019. Forschungsmethoden in den Sozialwissenschaften. 2. Aufl. Wien: Akademie Verlag. ISBN 978-3-000-12345-6.
Nummern: [1] NOVAK, Marek und Jana HORAKOVA. Forschungsmethoden in den Sozialwissenschaften. 2. Aufl. Wien: Akademie Verlag, 2019. ISBN 978-3-000-12345-6.
Buchkapitel (Beitrag in einem Sammelband)
KOVACOVA, Petra, 2020. Digitale Kompetenzen im Bildungskontext. In: SVOBODA, Radoslav, Hrsg. Bildung im 21. Jahrhundert. Berlin: Universitätsverlag, S. 112–128. ISBN 978-3-110-01234-5.
Artikel in einer Fachzeitschrift
FISER, Tomas und Marta OLEJNIKOVA, 2022. Auswirkungen des Fernunterrichts auf akademische Leistungen. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, Jg. 25, Nr. 2, S. 33–51. ISSN 1434-663X. DOI: 10.1007/s11618-022-01040-x.
Online-Quelle / Webseite
HUMBOLDT-UNIVERSITÄT ZU BERLIN, 2023. Richtlinien für Abschlussarbeiten [online]. Berlin: Humboldt-Universität [zitiert 2024-03-15]. Verfügbar unter: https://www.hu-berlin.de/abschlussarbeiten-richtlinien
Gesetz / Rechtsvorschrift
Verordnung (EU) 2016/679 des Europäischen Parlaments und des Rates zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten (DSGVO), 2016. Amtsblatt der Europäischen Union [online]. Luxemburg: Amt für Veröffentlichungen der EU [zitiert 2024-03-10]. Verfügbar unter: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32016R0679
Abschlussarbeit
MRAZOVA, Simona, 2021. Beschäftigungsaussichten von Geisteswissenschafts-Absolventen. Masterarbeit. Wien: Wirtschaftsuniversität Wien, Fachbereich Betriebswirtschaft. Betreuer: Ao. Univ.-Prof. Dr. Karl Benak.
Häufige Fehler und wie man sie vermeidet
1. Gemischte Zitiersysteme. Wenn Autor-Jahr-Belege und Nummern in derselben Arbeit auftauchen, ist das ein formaler Fehler. Entscheiden Sie sich vor dem Schreiben für ein System.
2. Fehlendes Zugriffsdatum bei Online-Quellen. Webseiten ändern sich oder verschwinden. ISO 690 verlangt die Angabe des Zugriffsdatums: [zitiert JJJJ-MM-TT].
3. Falsche Reihenfolge der Elemente. Das Jahresdatum an der falschen Stelle oder ein fehlender Verlag sind häufige Strukturfehler. Prüfen Sie bei jedem neuen Quellentyp das Muster in den Richtlinien Ihrer Hochschule.
4. Fehlende Identifikatoren wie ISBN, ISSN oder DOI. Diese Angaben sind nach ISO 690 nicht verpflichtend, erleichtern aber die Überprüfung erheblich. Tragen Sie sie ein, wenn die Quelle sie aufweist.
5. Sekundäre Quellen als primäre ausgeben. Wenn Sie einen Autor zitieren, dessen Werk Sie nur über einen anderen Text kennen, muss das kenntlich gemacht werden (zitiert nach...). Dieser Fehler kann als Täuschung gewertet werden.
6. Inkonsistente Schreibweise von Autorennamen. Der Nachname eines Autors muss in der gesamten Arbeit einheitlich geschrieben sein, einschliesslich Gross- und Kleinschreibung sowie Sonderzeichen.
Praktische Tipps für korrektes Zitieren
Verwenden Sie einen Literaturverwaltungsprogramm. Zotero (kostenlos) und Mendeley integrieren sich in Word und Google Docs, speichern Ihre Quellen und generieren Literaturverzeichnisse in verschiedenen Formaten. Prüfen Sie die automatisch erzeugten Einträge immer manuell: Software macht gelegentlich Fehler bei ungewöhnlichen Quellentypen.
Erfassen Sie Quellen laufend. Das Nachschreiben des Literaturverzeichnisses aus dem Gedächtnis am Ende führt zu Fehlern. Fügen Sie jede Quelle in Ihren Manager ein, sobald Sie sie verwenden.
Prüfen Sie die Konsistenz vor der Abgabe. Gehen Sie den gesamten Text durch und stellen Sie sicher, dass jeder Kurzbeleg einen entsprechenden Eintrag im Literaturverzeichnis hat.
Achten Sie auf die Aktualität der Norm. ISO 690 wurde 2021 aktualisiert. Falls der Leitfaden Ihrer Hochschule auf eine ältere Ausgabe verweist, folgen Sie den Vorgaben der Hochschule. Im Zweifel fragen Sie Ihren Betreuer oder die Bibliothek.
Beim Verfassen einer Masterarbeit gehört korrektes Zitieren zu den technischen Kriterien, die Gutachter regelmässig prüfen. Ein sorgfältig aufgebautes, konsistentes Literaturverzeichnis zeigt wissenschaftliche Sorgfalt.
Häufig gestellte Fragen zu ISO 690
Muss ich ISO 690 verwenden, oder kann ich auch APA oder eine andere Norm wählen?
Das hängt von Ihrer Hochschule ab. Wenn Ihr Fachbereich ISO 690 vorschreibt, ist diese zu verwenden. Naturwissenschaftliche und technische Fächer erlauben häufig APA, IEEE oder Vancouver. Lesen Sie die Prüfungsordnung oder fragen Sie Ihren Betreuer.
Ist Harvard-Stil dasselbe wie ISO 690?
Nicht ganz. Der Harvard-Stil bezeichnet das Autor-Jahr-System, das eine von zwei in ISO 690 definierten Zitierweisen ist. ISO 690 ist die übergeordnete Norm; der Harvard-Stil ist eine ihrer gültigen Umsetzungsformen.
Was tun, wenn eine Quelle keinen Autor hat?
Beginnnen Sie den Eintrag im Literaturverzeichnis mit dem Titel des Werks. Im Autor-Jahr-System verwenden Sie im Kurzbeleg einen gekürzten Titel und das Jahr.
Wie zitiere ich KI-generierte Inhalte (ChatGPT usw.)?
Es gibt noch keine einheitliche Regelung. Viele Hochschulen verbieten KI-Tools als zitierbare Quellen oder verlangen eine transparente Offenlegung mit Datum und verwendetem Prompt. Prüfen Sie die KI-Richtlinie Ihrer Hochschule.
Darf ich Wikipedia zitieren?
ISO 690 schliesst Wikipedia technisch nicht aus, aber die meisten Hochschulen akzeptieren sie nicht als wissenschaftliche Quelle. Nutzen Sie Wikipedia als Ausgangspunkt für die Suche nach Primärquellen und zitieren Sie diese stattdessen.
